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Hier lernst du, wie du mit schwierigen Entscheidungen umgehen kannst.

Kennst du das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, weil du dich nicht entscheiden kannst? Wenn du zum Beispiel raus zum Spielen möchtest, aber weißt, dass du noch für die Klassenarbeit üben müsstest? Egal, ob du raus zu den Freunden gehst oder drinnen bleibst und übst, verpasst du entweder eine gute Note oder deine Freunde. 

Solche Situationen nennt man ein Dilemma. Ein Dilemma bedeutet, dass du zwei Möglichkeiten hast, aber keine davon ist richtig gut. Das ganze Leben ist voll mit solchen Dilemma-Situationen. Daher ist es gut zu wissen, was da hilft. Schau es dir an diesem Beispiel an:

„Das Schokoladen-Dilemma“

Stell dir vor, du möchtest nur noch fair und umweltfreundlich produzierte Schokolade essen, weil du gegen Kinderarbeit bist und die Natur schützen möchtest. Das klingt erstmal gut, oder? Aber jetzt stehst du im Laden und die faire Schokolade ist viel teurer. Außerdem kennst du sie noch nicht und weißt nicht, ob sie genauso gut schmeckt.

Das bedeutet:

  • Wenn du die faire Schokolade kaufst, kannst du dir weniger Schokolade kaufen, da sie teurer ist.
  • Kaufst du deine bisherige Lieblingsschokolade, kannst du mehr kaufen und weist zudem, dass sie dir schmeckt. Aber du weist auch, dass andere Menschen dafür ungerecht behandelt wurden und vielleicht sogar Kinder und die Natur leiden mussten. Das ist eigentlich ein moralisches „No Go“ für dich. „No Go“ steht für „das geht gar nicht!“.

Hier stehen also Gerechtigkeit, Fairness, Menschenwürde und Naturliebe auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite ein günstiger Preis und ein vertrauter Geschmack. 
Wie würdest du dich entscheiden?

Drei Menschen – Drei Blickwinkel auf das Schokoladen-Dilemma

Zugegeben, dies ist ein wirklich schwieriges Dilemma. Viele Menschen würden sofort sagen, dass sie gegen Ausbeutung von armen Menschen sind – und dennoch kaufen sie im realen Leben die günstige Schokolade. Es ist ja auch anstrengend, wenn man bei jedem Einkauf überlegen muss, ob man den Kauf mit dem eigenen Gewissen vereinbaren kann.
Wäre es nicht besser, wenn es nur faire Schokolade zu kaufen gäbe? Schokolade, für die Natur zerstört und Menschen ausgebeutet werden, sollte es doch gar nicht geben. Schließlich bilden Gerechtigkeit und Menschenwürde die Grundlage für eine gute Gesellschaft. Oder?

Schauen wir uns also die Situation genauer an. Denn alle Beteiligten haben ihre Anliegen und Sichtweisen. Um das Problem zu lösen, müssen wir erstmal schauen, wie wir “den Knoten aufbekommen” können. Was sagen Supermarkt, Kakao-Bauer und Kunden?

1. Die Perspektive eines Supermarktes:

„Wir müssen Schokolade für alle Familien bezahlbar machen. Nicht jede Familie hat so viel Geld, dass sie sich teure Tafeln leisten kann. Wenn wir nur noch teure Schokolade verkaufen, kaufen die Menschen woanders ein.“

2. Die Perspektive einer Kakaobäuerin aus Westafrika:

„Wir hören immer wieder, dass wir unsere Felder nachhaltiger machen sollen – zum Beispiel indem wir Schattenbäume pflanzen oder Biodünger nutzen. Das würde ich sehr gerne tun! Aber der Umbau kostet Geld und Zeit, in der die Bäume weniger Früchte tragen. Wenn die Schokoladenfirmen uns nur das Nötigste zahlen, reicht das Geld gerade so zum Überleben. Um die Natur zu schützen, brauchen wir faire Preise, die uns Raum geben, in die Zukunft zu investieren.“

3. Die Perspektive eines Kindes (Du):

Ich liebe Schokolade, aber ich möchte nicht, dass dafür Kinder arbeiten müssen oder die Natur zerstört wird. Warum muss ich überhaupt darüber nachdenken? Warum gibt es nicht einfach nur noch gute Schokolade?“

Überlege mal: Welche dieser Aussagen findest du am wichtigsten? Gibt es eine Möglichkeit, alle drei Anliegen unter einen Hut zu bringen?

Wer kann das Dilemma lösen? Gemeinsam statt einsam!

Ein Dilemma fühlt sich oft unangenehm an, weil man das Gefühl hat: Egal, wie ich mich entscheide, ich mache es verkehrt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall! Ein Dilemma zeigt uns, wo es in unserer Welt ungerecht zugeht – und das ist der Startpunkt, um etwas zu verändern.

Wichtig: Du musst das Problem nicht allein an der Supermarktkasse lösen. Wirkliche Veränderung passiert gemeinsam:

  • Politische Regeln fordern: Inzwischen wird an Gesetzen (wie das Lieferkettengesetz) gearbeitet, die Firmen dazu verpflichten, Menschenrechte und Umweltschutz einzuhalten. Wenn Gesetze streng sind, wird faire Schokolade zum Standard und nicht mehr zur teuren Ausnahme. 
  • Sich zusammentun: Wenn viele Menschen gemeinsam sagen: „Wir wollen wissen, woher unser Kakao kommt“, hören die großen Firmen zu. Sprich mit deinen Freunden und deiner Familie, damit mehr auf Produkte geachtet wird, die für Mensch und Natur gut sind.
  • Kreativ werden: Wie wäre es mit dem Verkauf von Fairtrade-Kuchen beim Schulfest oder einer Infostand-Aktion? Denn jede Veränderung braucht Menschen, die Bescheid wissen und die Veränderungen anstoßen.
  • Bewusst genießen: Und klar: auch beim Einkauf kannst du dich für das faire Produkt entscheiden und dadurch etwas bewirken. Du setzt dadurch ein starkes Signal und zeigst, was dir wichtig ist. 

Merke: Du musst dich nicht schämen, wenn du mal vor einem Regal stehst und nicht weiterweißt. Das Wichtigste ist, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und gemeinsam mit anderen dafür zu sorgen, dass gerechte Schokolade für alle zur Selbstverständlichkeit wird!

Gecheckt? - Dilemmata lösen musst du nicht alleine

  • Schau als Erstes nach innen und nimm dein Gefühl wahr. Was ist dir wirklich wichtig? Welche Entscheidung ist fair, ehrlich oder mutig? Was ist dir das wert?
  • Schau nach außen. Wer könnte das Dilemma möglicherweise lösen?
  • Steh zu deinen Werten und sprich darüber. Mit deinen Freundinnen und Freunden und deiner Familie. Oder in der Schule.

Bildnachweise: ©Erik McLean/unsplashplus und Özi's Comix Studio (Header), Denny Müller/unsplashplus, Jan Zwarthoed/unsplashplus